Venue(s):
Steinway Hall
Price: $1
Performance Forces:
Instrumental, Vocal
Status:
Published
Last Updated:
5 March 2026
“Wohlthätigkeits-Concerts. Zum Besten des deutschen Frauen-Vereins zur Unterstutzung armer Wittwen und Waisen findet morgen Abend in Steinway-Hall ein großes Concert statt, zu welchem die nachstehenden Künstler ihre Mitwirkung zugefagt haben: [lists performers].”
“Wohlthätigkeits-Concert. Heute Abend wird ein großes Vokal- und Instrumental-Concert zum Besten des ‘Deutschen Frauen-Vereins[’] zur Unterstutzung armer Wittwen und Waisen in Steinway-Hall stattfinden. Wie durchaus nothwendig es ist, etwas zur Linderung der allgemeinen entsetzlichen Noth zu thun, darüber braucht wohl kein Wort verloren zu werden. Die Thatsachen sprechen laut genug, Armuth und Elend schauen uns überall mit hohlen und flehenden Augen an. Die Menschenpflicht gebietet uns, nach Kräften beizusteuern, unseren Mitmenschen im Elend zu helfen… [Goes on about the work of the Deutschen Frauen-Vereins.] Wie im Vorjahre veranstalten die hochherzigen Frauen auch in diesem Jahre ein großes Concert, dessen Reinertrag jenen Unglückichen zu gute kommen soll, denen ein grausames Schicksal den Ernährer, den Gatten und den Vater entrissen hat… [More about the Deutschen Frauens-Vereins.] Zudem sind die Kunstgenüsse, welche heute in Steinway-Hall geboten sind, so seltene und reichhaltige, daß sich eine bessere Vereinigung des N?tzlichen mit dem Angenehmen kaum denken läßt, als der Besuch des Concertes.” [Lists performers and program.]
“Wohlthätigkeits-Concert. ‘Durch das Schöne stets das Gute’ hätte füglich das Motto sein dürfen zu dem Programme des Concertes, welches gestern Abend unter den Anspieien des ‘Deutschen Frauenvereins zur Unterstütztung armer Wittwen und Waisen’ in Steinway-Hall gegeben wurde. Des ‘Schönen’ wurde sehr viel geboten und daß des ‘Gute’ damit befördert wurde, unterliegt wohl kaum einem Zweifel, den trotz des schlechten Wetters hatte sich ein recht ansehnliches Auditorium in der großen Halle eingefunden. – Der genannte Frauenverein hat sich ein Ziel vorgesteckt, dessen Erreichung im Interesse der Humanität mindestens wünschenswerth erscheint und die Frauen, welche es unternommen haben, den edlen Zweck zu fördern, verdienen nicht nur uneingeschränktes Lob, sonder nauch die thatkräftige Unterstützung aller Gutgefinnten. Wie viel Roth durch die Frauen, welche Mitglieder des Vereins sind, gelaudert wird, wie manche Familie, welcher das Haupt, die Stütze entrissen wurde, vor dem Untergang bewahrt wird, darüber geben die Annalen des Vereins kaum Ausschluß, den die meisten der Mitglieder haben es sich zur Ausgabe gemacht, in der [illeg.] zu wirken und niemals die linke Hand Wissen zu lassen, was die rechte thut. – Daß solch stilles Wirken auf Künstlerseelen einen Eindruck machen muß, der auch sie zu thatkräftiger Untersitzung des ‘Guten’ durch des ‘Schöne’ ansporut, ist wohl natürlich, und so würde den das gestrige Conzert arrangirt, welches allen Betheiligten zur Ehre gereicht.
Der blinde Pianist und orgelspieler Herr A. Schotte hatte die etwas undankbare Aufgabe übernommen, das Conzert zu eröffnen; er spielte auf der Orgel die prächtige Ouverture zur ‘Stummen’ von Auber und erntete, trotz dem das Auditorium zum großen Theil noch während der Ouverture eintrat und die treffliche Execution derselben nur theilweise verfolgen konnte, reichlichen Beifall. Fräul. Sarah Wood, eine sopranistin von bedeutender Begabung und tüchtiger Schule, sang die so schwierige Arie aus Rossini’s ‘Semiramis’ mit großem Geschmack und mit einer Mäßigung, welche selbst den Kritiker zur Ueberzeugung bringen mußte, daß die Dame mit großem Fleiße und Eiser die äußerst mühevolle Arbeit des Studiums verfolgt haben mußte und daß diese Arbeit allein aller Anerkennung werth sei. Frl. Anna Drasdil, eine mit äußerst klangvoller und voluminöser Stimme begabte Dame, hatte sich eine Aufgabe gestellt, deren Lösung ihr entschieden Ehre macht. Im ersten Theile sang sie eine Mendelssohn’sches Lied so reizend, daß sie dem wiederholten Hervorruf Folge leisten und ein böhmiches Volkslied als Zugabe singen mußte. Im zweiten Theile brachte Fräulein Drasdil zwei Nummern aus Schumann’s ‘Dichterliebe’ und hier zeigte sich in vollstem Maaße das innige Ersassen der schwersteh Aufgabe. – Die Schumann’schen Lieder und vor allen Dingen sein ‘Ich grolle nicht’ und ‘Wenn ich in Deine Augen seh’,” hinterlassen bei unvollkommener Wiedergabe stets ein Gefühl der Unbefriedigung zurück, sie sind nur dann verständlich, wenn sie mit vollem Herzen gesungen werden, wenn der Sänger ganz aufgeht in den Geist der musikalischen Nachdichtung. Daß dies dem Fräulein Drasdil gelang, ist ein Zeichen, daß sie eine Sängerin von Gottes Gnaden ist, welche ganz das Zeug dazu hat, im Liederfache und in Oratorien eine Lücke auszufüllen, die sich heir nur zu tief fühlbar macht.—In den Emsemble-Nummern waren beide Damen trefflich und auch Herr Bischof[f], welcher nur bei der letzten Nummer, dem Schumann’schen ‘Il Prego’ betheiligt war, leistete Gutes.
Herr Bischoff sang als Solonummer das Lied ‘Du wundersüßes kind’ äußerst brav und erntete durch seinen trefflichen Vortrag und seine reizenden Modulationen den reichsten Beifall. – Herr Constantin Weikert, dessen Vorsuge als Pianist wir zu verschiedenen Malen hervorzuheben Gelegenheit hatten, war auch gestern wieder vortrefflich, wenngleich wir die Wahl der Piecen, die er brachte, in dem gegebenen kleinen Nahmen nicht billigen konnen; nicht etwa weil dieselben nicht allen Ansprüchen, welche das Publikum an den Pianisten stellen konnte, genügten, sondern weil sie zu große Ansprüche an das Publikum stellten. Die große Bach’sche Orgelfuge, so interessant sie in der Liszt’schen Klavierbearbeitung ist, ist nicht dazu angethan, die Zuhörer zu fesseln und dem Künstler den gebührenden Dank einzubringen, und auch das ‘Spinnerlied’ ist trotz seiner schwierigkeiten nicht auf Wirkung berechnet, wie mann sie in einem Conzerte, wie das gestrige erwartet und herbeizuführen sucht. – Herr Weikert zeigte in beiden Piecen weiderum den gewissenhaften Musiker und die Sauberkeit seines Spieles, die Einfachheit seines Anschlages, die Größe seiner Technik sind durchweg zu loben; sollten wir etwas tadeln, so wäre es die Uebereitung des Tempos in der Fuge, worunter die Klarheit der Ausarbeitung mitunter litt. – Herr Hermann Brandt, welcher in Andnate und Allegretto von Vieuxtemps spielte, erwies sich mit dieser Leistung als trefflicher Violinist, dem ein voller, runder Ton zu Gebote steht und welchem die Ueberwindung technischer Schwierigkeiten nur wenig Mühe macht. Er riß daher auch das Publikum zu den lebhaftesten Beifallsbezeugungen hin, welche in der That wohlverdient waren. – Jedenfalls gebührt den sämmtlichen Künstlern der Dank aller humanen Menschen, weil sie auch ihr Scherflein dazu beigetragen haben, die Noth der Wittwen und Waisen zu lindern. Den dank für die gute That werden sie im eignen Herzen und in dem Gedanken finden, manche Thräne getrocknet zu haben. Möge ihnen immer der Spruch gewärtig sein: ‘Durch das Schöne stets das Gute!’”